Die Corona-Pandemie hat die Digitalisierung vieler Prozesse im Finanzwesen angestoßen. Für grundlegend neue Geschäftsmodelle sorgt sie bei den Retail-Banken jedoch nicht. Die Mehrheit der Banken will am klassischen Privatkundengeschäft festhalten.
Festhalten am klassischen Geschäftsmodell
Die Corona-Pandemie werde laut der 4th European Retail Banking Survey (2021) von Roland Berger das Privatkundengeschäft der Banken nicht radikal verändern. -Quelle: Shutterstock.com
Laut einer aktuellen Studie der Roland Berger Unternehmensberatung wird die Corona-Pandemie das Privatkundengeschäft nicht grundlegend verändern. Die Mehrheit der Retail-Banken konzentriere sich weiterhin lediglich auf die Digitalisierung vorhandener Produkte und Prozesse. Echte Innovationen blieben eine Seltenheit, so der Tenor der Studie, für die rund 60 europäische Retail-Banken aus elf Ländern befragt wurden.
Strategisch wollen 81 Prozent der befragten Banken auch künftig vor allem die Kundenschnittstelle besetzen – und sich hier trotz des starken Wettbewerbs nicht von den Konkurrenten abheben. Das Interesse für alternative strategische Ausrichtungen ist laut Studie gering: Nur zwölf Prozent positionieren sich als Produktexperte und lediglich sieben Prozent als Technologieanbieter. Dagegen werde der Wertschöpfungsprozess weiter fragmentiert. Die meisten Banken lagern Aufgaben weiterhin aus, als top Prioritäten nennen die befragten Retail-Banken die Zahlungsabwicklung (73 Prozent) und Compliance-Prozesse (49 Prozent).
Prozesse werden digitalisiert, aber nicht neu gedacht
Nach Einschätzung der Analysten wirkt die Pandemie im Privatkundengeschäft in erster Linie als Katalysator der digitalen Transformation, aber nicht als Motor für wirklich neue Geschäftsmodelle. So könnten 90 Prozent der Studienteilnehmer inzwischen Konsumentenkredite schnell und fast vollständig digital abschließen, heißt es in der Berger-Studie. Innovative Technologien wie Künstliche Intelligenz oder Blockchain würden hingegen nur von wenigen Banken integriert. Das größte Hindernis für die Umsetzung neuer Lösungen sind unflexible, veraltete IT-Infrastrukturen, die einen schnellen Umbau ausbremsen.
Die europäischen Banken wollen künftig noch mehr in die digitale Transformation investieren, 92 Prozent der Befragten planen Budgeterhöhungen. Allerdings fließen heute bereits etwa 70 Prozent der IT-Budgets in die Aufrechterhaltung des Tagesgeschäfts und die Erfüllung regulatorischer Anforderungen.