Note vier minus
Viele Verbraucher in Deutschland haben eklatante Bildungslücken bei Themen rund um Aktien, Kredite und Versicherungen. - Quelle: Shutterstock.com
Die Finanzbildung der Deutschen lässt zu wünschen übrig, wie eine aktuelle Studie der Stiftung Finanztip jetzt aufzeigt: mehr als die Hälfte der Befragten zwischen 16 und 69 Jahren erreichte nur die Note vier minus oder schlechter. Fakt ist, das Wissen der deutschen Verbraucher zu Themen wie Aktien, Krediten und Versicherungen ist unterdurchschnittlich schlecht. So wusste etwa die Hälfte der Studienteilnehmer nicht, dass Dispozinsen sofort anfallen, wenn das Girokonto ins Minus rutscht. Knapp 25 Prozent der Befragten gingen von einem kostenlosen Dispokredit aus, solange das Konto am Monatsende wieder ausgeglichen werde.
Frauen haben weniger Finanzbildung als Männer
Wie aus der Finanzwissen-Studie weiter hervorgeht, haben bestimmt Bevölkerungsgruppen weniger Finanzbildung als andere. So wissen Frauen im Vergleich zu Männern weniger gut Bescheid über Finanzthemen: Fast jede vierte Frau erreichte in der Umfrage nur maximal drei Punkte. Bei den Männern hatten nur rund 20 Prozent dieses niedrige Ergebnis. Mehr als die Hälfte der männlichen Befragten kam auf mehr als sechs Punkte, bei den befragten Frauen erreichten das nur 43 Prozent. Offenbar spiele hier Erfahrungswissen eine Rolle, kommentieren die Studienautoren, denn Frauen verdienten noch immer weniger Geld als Männer.
Mangelhaft ist auch das Finanzwissen bei Haushalten mit niedrigem Einkommen: Studienteilnehmer, die im Monat nach eigener Aussage mit bis zu 1.500 Euro auskommen, erzielten durchschnittlich weniger Punkte als Haushalte, denen mehr als 3.800 Euro zur Verfügung stehen.
Defizite bei jungen Menschen unter 30 Jahren
Die Untersuchung zeigte außerdem, dass junge Verbraucher unter 30 Jahren ebenfalls Defizite bei der Finanzbildung aufweisen. Eine Begründung dafür könnte sein, dass jüngere Befragte meist noch am Anfang ihres Berufslebens stünden und noch keine größeren finanziellen Entscheidungen treffen müssten. Wem wenig Geld zur Verfügung stehe, der habe sich oft noch nicht mit dem Thema Altersvorsorge beschäftigt, heißt es in der Studie weiter.
Beim Thema Aktien gab es ein auffälliges Ergebnis: obwohl die unter 30-Jährigen weniger über Finanzen wüssten als ältere Jahrgänge, schnitten sie beim Thema Wertpapiere überraschend gut ab. So wussten rund 54 Prozent der Jüngeren, dass ein weltweiter Aktienfonds grundsätzlich ein geringeres Risiko darstelle als die Investition in eine Einzelaktie oder in einen Fonds mit Unternehmen aus nur einem Land. Bei den Befragten über 30 Jahre sagten dies nur rund 46 Prozent. „Die unter 30-Jährigen sind mit stetig sinkenden Zinsen und einem langanhaltenden Boom an den Aktienmärkten groß geworden”, kommentiert Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztip das Studienergebnis. Hinzu kämen neue Apps wie Trade Republic, die den Zugang zu den Börsen nicht nur günstiger, sondern auch einfacher machten, so Tenhagen.
Trotzdem gibt es auch hier Verbesserungsbedarf bei der Finanzbildung: rund 38 Prozent der Jüngeren sagten aus, dass sie auch dann in Aktien investieren würden, wenn sie wüssten, dass sie ihr Geld nach zwei Jahren wieder benötigen. Hier sehen die Finanztip-Experten ein erhöhtes Verlustrisiko, wenn die Kurse genau dann in den Keller gingen.