Die Finanzbranche arbeitet intensiv an der digitalen Transformation und ist auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie. Ganz oben auf der Wunschliste der Institute stehen digitale Ökosysteme.
Digitalisierung im Fokus
Die Mehrheit der für den Branchenkompass Banking 2021 befragten Banken kämpft gegen bröckelnde Relevanz. - Quelle: Shutterstock.com
Für die Mehrheit der Banken sind Digitalisierung und Automatisierung der Geschäftsprozesse aktuell die wichtigsten strategischen Maßnahmen, noch vor der Akquise neuer Kunden und dem Ausbau der Service- und Beratungsqualität. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von Sopra Steria und dem FAZ-Institut zur Situation der Finanzbranche. Als besonders effektiv für die digitale Transformation gelten Selfservice-Lösungen. Ein Drittel der Befragten rechnet zudem mit Fusionen und Übernahmen, die zu mehr Synergien beitragen sollen.
Laut “Branchenkompass Banking 2021” erwarten 40 Prozent der Finanzinstitute, dass sich die Branche bis 2023 besser als die deutsche Gesamtwirtschaft entwickeln werde. Trotz dieses relativ positiven Ausblicks suche die Finanzbranche intensiv nach neuen Geschäftsmodellen, betonen die Studienautoren. Denn der Druck von neuen Wettbewerbern mache den Banken Probleme: Für jeden Schritt in einem Kreditprozess gebe es laut Marktanalysten mittlerweile einen Fintech-Spezialisten, der eine kostengünstigere Lösung anbieten könne.
Suche nach neuen Ertragspositionen
Die Suche nach neuen Ertragspositionen treibe die gesamte Bankenbranche um, heißt es in der Studie weiter: Drei von vier Instituten würden dazu generell nach einem neuen Geschäftsmodell und alternativen Ertragsmodellen suchen.
- 59 Prozent der befragten Institute, also die Mehrheit wird bis 2023 neue Produkte ins Sortiment nehmen und dabei zunehmend Leistungen von Drittanbietern vertreiben
- Jede zweite Bank dreht zudem an der Gebührenschraube
- 41 Prozent denken über Negativzinsen nach oder haben sie bereits eingeführt
Digitale Ökosysteme als neues Geschäftsmodell
Digitale Ökosysteme stehen dabei an der Spitze der neuen Lösungen. 41 Prozent der Studienteilnehmer rechnen damit, dass Kunden künftig Banken bevorzugen werden, die ihnen über digitale Ökosysteme Komplettlösungen für ihre individuellen Bedürfnisse anbieten. Kreditinstitute könnten diese Plattformen beliefern oder selbst Plattformbetreiber sein: Laut dem aktuellen Branchenkompass bevorzugen 31 Prozent der Banken mit Plattformambitionen die Lieferantenstrategie, 24 Prozent wollen eigene Ökosysteme aufbauen. Die Mehrheit (42 Prozent) verfolgt beide Strategien und setzt auf ein Hybridmodell.
Als ein weiteres Geschäftsfeld mit Zukunft identifizieren die Studienautoren die Vernetzung in der verarbeitenden Industrie und die Verarbeitung der entstehenden Daten. Ein solches “Banking of Things” könnte beispielsweise die Finanzierung von Maschinen nach dem Pay-per-Use-Prinzip ermöglichen. Ein Drittel der befragten Banken sei bereits im Internet-of-Things-Geschäft tätig.