Das Interesse der Verbraucher am Thema Nachhaltigkeit ist in den vergangenen sechs Jahren um 300 Prozent gewachsen, wie eine aktuelle Studie zeigt. Inzwischen sind Bankkunden auch bereit, für eine nachhaltige Bank mehr zu bezahlen. Daraus ergeben sich einerseits neue Marktpotenziale, andererseits aber auch Herausforderungen für die Finanzinstitute.
Mehr als der Greta-Effekt
Dias Thema Nachhaltigkeit spielt für die Gesellschaft eine immer größere Rolle. Banken können langfristig Kunden gewinnen, wenn sie sich entsprechend entwickeln.
In einer aktuellen Studie ist das Beratungsunternehmen zeb Consulting der Frage nachgegangen, wie der Megatrend Nachhaltigkeit die Bankenbranche verändern wird. Bei einem Vergleich mit der vorausgegangenen Untersuchung aus dem Jahr 2014 zeigte sich, dass die Anzahl der Verbraucher, die sich für Nachhaltigkeit interessieren, in den letzten sechs Jahren um 300 Prozent gewachsen ist. Insbesondere seit 2018 ist das Interesse an den Themen Klimawandel und Nachhaltigkeit stark angestiegen, was in Bezug auf die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg auch als „Greta-Effekt“ bezeichnet wird. Tatsächlich beinhaltet das Thema Nachhaltigkeit aber mehr als Umwelt- und Klimaschutz. So sind auch Menschenrechte und sozialverträgliches Handeln wichtige Elemente einer nachhaltigen Lebensweise. Mittlerweile sind zwei Drittel aller deutschen Bankkunden nachhaltigkeitsorientiert. Daraus entstehen neue Anforderungen für die Wirtschaft und auch speziell für die Finanzbranche.
Mangel an Nachhaltigkeit fördert Wechselwillen
Wie aus der zeb-Studie weiter hervorgeht, besteht eine Korrelation zwischen nachhaltigkeitsorientierten Kundenprofilen und der generellen Zufriedenheit mit der Hausbank: Konkret wünschen sich zwei Drittel der Bankkunden, dass ihre Hausbank Fortschritte in Richtung Nachhaltigkeit macht. Dieses Kundensegment ist auch bereit, schnell das Geldinstitut zu wechseln, wenn das Thema Nachhaltigkeit von der eigenen Bank nicht bedient wird.
Zusätzliche Marktpotenziale
Die Studienautoren verweisen außerdem darauf, dass Sustainable Banking ein großes Marktpotenzial biete: zwei Drittel des jährlichen Marktvolumens von insgesamt 50 Milliarden Euro aus den Erträgen mit Privatkunden seien von der Nachhaltigkeitsdiskussion berührt. Mittlerweile wären Kunden auch bereit, mehr für eine nachhaltige Bank zu bezahlen. Diese Zielgruppe berge ein zusätzliches Marktpotenzial von rund 820 Millionen Euro, so die Schätzung der zeb-Studie. Hinzu komme ein weiteres Ertragspotenzial von rund 1,6 Milliarden Euro, das beispielsweise durch das Angebot von ESG-konformen Investments ausgeschöpft werden könnte.
Vorwurf der Greenwashing entkräften
Wie die Studienautoren mehrfach betonen, handelt es sich bei Sustainable Banking aber um ein ganzheitliches Thema. Nachhaltigkeit könne nicht von einzelnen Instituten allein umgesetzt werden, sondern müsse konsequent in die gesamte Wertschöpfungskette der Kreditindustrie eingebracht werden. Wertorientierte Kunden empfänden oberflächliche Maßnahmen schnell als Greenwashing und straften die Bank dafür ab. Traditionelle Kreditrisiken müssten jetzt um umwelt- und sozialspezifische Herausforderungen erweitert und professionell gemanagt werden. Das gehe nur mit zusätzlichen Regularien.